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Diabetes in Indien

Diabetes in Indien

Auch wenn Diabetes Typ 2 lange als gesundheitliches Problem galt, das vor allem reiche Industriestaaten wie Europa oder die USA betraf, tritt die Erkrankung heute und bereits seit drei Jahrzehnten auch zunehmend in Entwicklungsländern auf – mit manchmal dramatischen Folgen. So wird davon ausgegangen, dass heute etwa 80% der Todesfälle im Zusammenhang mit Diabetes auf die Entwicklungsländer entfallen, denen es an medizinischen Ressourcen mangelt. Dies ist insbesondere in Indien der Fall: Gemäß dem letzten Bericht der WHO aus dem Jahr 2019 zählt das Land heute mehr als 74 Millionen Menschen, die an Diabetes Typ II leiden, und ist damit nach China das am stärksten betroffene Land der Welt. Manche Prognosen gehen sogar davon aus, dass im Jahr 2045 fast ein Drittel der Diabetiker weltweit auf diese beiden Länder entfallen werden. Aber wie steht es wirklich um die Diabetesepidemie in Indien? Was sind die Gründe für diesen rasanten Anstieg der Diabetesfälle? Welche Präventionsstrategien wurden von den Behörden eingeführt? Und was für sozioökonomische Auswirkungen hat Diabetes in Indien? Ein Überblick.

Situation der Diabetesepidemie in Indien

Diabetes ist in Indien eine relativ neue Krankheit. Während die Fälle in Frankreich, Europa und Nordamerika seit Ende der 1950er Jahre regelrecht explodiert sind, hat sich Diabetes in Indien erst seit  Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre wirklich bemerkbar gemacht.

So lag Anfang der 1970er Jahre die Prävalenz von Diabetes bei Indern von 20 bis 79 Jahren im städtischen Umfeld bei 2,1%. Dreißig Jahre später, zu Beginn der 2000er Jahre, war die Prävalenz auf 12% gestiegen. Heute liegt die Prävelanz für die gleiche Bevölkerungskategorie bei 21 %. 

Mit der Zunahme von Diabetes bei der ländlichen Bevölkerung verhält es sich ähnlich, abgesehen davon, dass die Prävelanz einige Punkte unter der im städtischen Umfeld liegt.  Außerdem lässt sich feststellen, dass die Prävalenz in den Gebieten im nördlichen Teil des Subkontinents höher ist (um etwa 25%). Diese Gebiete sind auch höher entwickelt als die südlichen Teile des Landes, in denen die Prävelenz bei etwa 18 % liegt.

Auf Landesebene und unabhängig von der Kategorie (ländliches oder städtisches Umfeld) liegt die Diabetesprävalenz in Indien bei etwa 10 bis 11 %.

Heute verzeichnet Indien über 74 Millionen Personen, die an Diabetes leiden. Bei der überwältigenden Mehrheit der Fälle handelt es sich um Diabetes Typ 2 (ca. 95%). Die Anzahl der Diabetiker hat sich über einen Zeitraum von 20 Jahren verdoppelt: Noch 2001 gab es in Indien „nur“ 32 Millionen Diabetiker.

Und dabei sind die Zahlen nur der sichtbare Teil des Eisbergs: Die  International Diabetes Federation (IDF) geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Diabeteserkrankungen in Indien unerkannt bleibt, was etwa 40 Millionen Menschen ausmacht.

Die Prognosen sind noch düsterer. So geht die IDF davon aus, dass es in Indien im Jahr 2030 92 Millionen und im Jahr 2045 124 Millionen Diabetiker geben wird, die unerkannten Fälle nicht  eingerechnet. 

Die verschiedenen Ursachen der Diabetesepidemie in Indien

Es gilt heute allgemein als anerkannt, dass Diabetes Typ 2 von zahlreichen Faktoren verursacht wird, zu denen exogene und endogene Faktoren zählen. Wir erklären, was damit gemeint ist.

Exogene Faktoren

Eine der Hauptursachen für den drastischen Anstieg der Diabetesfälle in Indien ist heute vielen Forschern zufolge exogen. Es wird davon ausgegangen, dass die Ätiologie von Diabetes Typ 2 (anders als bei Diabetes Typ 1, der genetische Ursachen hat) teilweise mit der Lebensweise zusammenhängt.

Bewegungsmangel, fehlende körperliche Betätigung, Übergewicht, hoher Zuckerkonsum, Stress und Schlafmangel stellen Risikofaktoren für die Entwicklung von Diabetes Typ 2 dar.

Ließen sich diese Risikofaktoren seit Ende der 50er Jahre noch vorwiegend in den Industrienationen finden (was den Anstieg der Diabetesfälle in Europa und den USA in dieser Zeit erklärt), so können sie seit etwa dreißig Jahren auch in Indien beobachtet werden.

Der Wandel des Lebensstils, der sich aus der Entwicklung des Landes und der Veränderung des Konsumverhaltens ergibt, gilt als Ursache für den Anstieg der Diabetesprävalenz in Indien. So kann etwa beobachtet werden, dass sich die Prävalenzkurven von Diabetes Typ 2 und von Übergewicht oder Adipositas im Land weitgehend decken. Weitere Studien haben eindeutig nachgewiesen, dass die Diabetesprävalenz bei fettleibigen oder übergewichtigen Menschen erhöht ist.

Bei den im städtischen Umfeld lebenden Indern konnte daneben auch ein Wandel der Ernährungsgewohnheiten beobachtet werden, der ebenfalls für den Anstieg der Diabetesfälle verantwortlich ist. Die traditionellen Ernährungsgewohnheiten gehen verloren und unraffinierter Weizen, Reis oder Hirse werden zunehmend durch raffinierten Weizen oder Reis verdrängt, was zu einem Anstieg der Kalorienzufuhr und des Konsums an gesättigten Fettsäuren führt, die die Entwicklung von Diabetes Typ 2 begünstigen.

Der Übergang von einem traditionellen zu einem modernen Lebensstil ist damit eine der Ursachen für die Zunahme an Diabetesfälle in Indien.

Endogene Faktoren

Exogene Faktoren sind zwar die Hauptursache für die gestiegene Diabetesprävelenz in Indien,  aber nicht die einzige. Es gibt auch gewisse endogene Faktoren, die zusammen mit den exogenen Faktoren die Diabetesepidemie in Indien erklären.

Zunächst haben zahlreiche Studien gezeigt, dass ein Teil der Inder, vor allem die Bevölkerung asiatischer Abstammung, insulinresistenter sind als andere Menschen wie die Kaukasier.

Diese genetische Veranlagung führt bei den Indern schon in der frühen Kindheit und manchmal sogar schon im Uterus zur Entwicklung einer Insulinresistenz.  Diese Tatsache verbindet sich dann mit einer Fettansammlung im Bauchbereich, die bei der Entwicklung von Diabetes Typ 2 eine Rolle spielt.

Andere Studien haben gezeigt, dass indische Migranten eine größeres Risiko haben, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, als die Bevölkerung des Gastlands. Das könnte sich einerseits durch den Wandel des Lebensstils erklären, aber auch durch die Neigung ihres Körpers dazu, eine Insulinresistenz zu entwickeln.

Es konnte auch festgestellt werden, dass Inder früher als andere Bevölkerungen an Diabetes leiden.

Indien: Ein Land am Ende des demographischen Wandels

Noch eine weitere Ursache erklärt die rasante Ausbreitung von Diabetes in Indien: Die Situation des demografischen Wandels im Land.

In den letzten Jahrzehnten ist die Kindersterblichkeit in Indien erheblich gesunken und die Lebenserwartung gestiegen. Während dieser demographische Wandel in den Industriestaaten schon lange abgeschlossen ist, befindet sich Indien noch in einer Übergangsphase.

Das bedeutet, dass das Land heute nach wie vor von einer hohen Geburtenrate profitiert und zugleich die Sterblichkeit reduzieren konnte. Das Ergebnis: Angesichts der höheren Lebenserwartung und der sinkenden Kindersterblichkeit gibt es immer mehr Inder, die von Diabetes betroffen sein können.

Prädiabetes, Diabetesbehandlung und Prävention

Der Anstieg der Prävalenz von Prädiabetes (eine Studie aus dem Jahr 2020 zufolge ist einer von sechs Indern betroffen) und Diabetes und ihre möglichen sozioökonomischen Folgen für das Land sind sehr alarmierend. In einem Zeitraum von dreißig Jahren ist diese Prävalenz zu einem zentralen Problem für die öffentliche Gesundheit geworden.

Es stellt allerdings eine Herausforderung dar, im Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt Diabetes (und überhaupt ein Gesundheitsproblem) zu bekämpfen. So kann man sowohl bei der Diabetesprävention und -behandlung als auch bei den mangelnden lokalen und nationalen Partnerschaften und bei den für die Diabetesbekämpfung vorgesehenen Mitteln Probleme feststellen.

Dazu kommt, dass es in Indien ein geringes Problembewusstsein in Bezug auf Diabetes und Prädiabetes gibt, da es sich eben um eine relativ „neue Krankheit“ handelt.

Eine Rolle spielt außerdem das niedrige Einkommensniveau, das oft die Diagnose und sogar die Behandlung von Diabetes verzögert. So kostet eine Diabetesbehandlung (mit Untersuchung, Material und Insulin) zwischen 1500 und 3000 Rupien im Monat, also zwischen 20 und 40 Euro, ein Betrag, den sich sehr viele Inder nicht leisten können, liegt das durchschnittliche Monatseinkommen pro Einwohner doch bei etwa 170 Euro im Monat.

Die Behörden setzen daher auf Sensibilisierung und Vorsorgekampagnen, um die Epidemie einzudämmen.

Quellen:

https://en.wikipedia.org/wiki/Diabetes_in_India

https://www.healthline.com/health/diabetes/diabetes-in-asia#takeaway

https://www.medicalnewstoday.com/articles/diabetes-in-india#why-is-it-so-common

https://diabetesatlas.org/data/en/country/93/in.html

https://journals.lww.com/ijo/Fulltext/2021/11000/Epidemiology_of_type_2_diabetes_in_India.6.aspx

https://www.who.int/india/Campaigns/and/events/world-diabetes-day

https://www.japi.org/v2b4d464/why-are-indians-more-prone-to-diabetes

https://fundacionvicenteferrer.org/es/noticias/la-diabetes-una-enfermedad-creciente-en-la-india

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33727086/

https://cadiresearch.org/topic/diabetes-indians/diabetes-urban-india

https://idf.org

https://www.cairn.info/revue-sante-publique-2008-2-page-113.htm

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7871157/

https://www.firstpost.com/health/1-in-6-indians-is-prediabetic-heres-what-you-need-to-do-if-you-have-this-condition-8055511.html

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