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Diabetesprävention in Indien

Diabetesprävention in Indien

Diabetes galt lange als endemische Krankheit, die nur die reichen Industriestaaten betrifft. Heute dagegen gewinnt Diabetes und insbesondere Diabetes Typ II auch in den früher als ,Entwicklungsländer“ oder ,arme Länder“ betrachteten Staaten an Boden. China und Indien sind heute die Länder mit den meisten Diabetikesfällen der Welt. Das erklärt sich einerseits durch ihre überdurchschnittlich große Bevölkerung – beide Länder haben mehr als zwei Milliarden Einwohner – aber auch durch den Wandel der Lebensweise und des Konsumverhaltens infolge der Globalisierung. Auf China und Indien allein entfallen heute 20% der weltweit diagnostizierten Diabetesfälle… Und viele Forscher gehen davon aus, dass ein großer Teil der Erkrankungen (rund 50%) unerkannt bleibt. Ein Ende des Trends ist zudem nicht in Sicht und die  Prognosen weisen auf einen weiteren Anstieg der Fälle in den kommenden 20 Jahren hin. Innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten ist Diabetes in Indien also zu einem erheblichen Problem für die öffentliche Gesundheit geworden. Was ist der aktuelle Stand der Diabetesepidemie in Indien? Wie steht es um die Bekämpfung der Krankheit? Und welche Lösungen zur Diabetesprävention konnten gefunden werden? Ein Überblick.

Diabetes und Prädiabetes in Indien: Ein paar Eckdaten zur Erinnerung

Mit nahezu 74 Millionen betroffenen Personen ist Indien heute das Land mit den meisten registrierten Diabetesfällen weltweit nach China. Dabei hat das Land nicht immer eine so hohe Prävalenz an Diabetesfällen verzeichnet. In Wirklichkeit ist diese Prävalenz ein jüngeres Phänomen, als es scheinen mag.

Tatsächlich war die Diabetesrate in Indien vor den 70er Jahren verschwindend gering. Manche Studien belegen, dass die Prävalenz von Diabetes bei Indern im Alter von 20 bis 70 Jahren im städtischen Umfeld zu Beginn der 1970er Jahre bei 2,1% lag. Zu Beginn der 200er Jahre war die Prävalenz jedoch auf 12% gestiegen und 2021 lag sie bei 21%.

Es kann also ein exponentielles Wachstum der Diabetesdiagnosen in Indien beobachtet werden – vor allem bei der städtichen Bevölkerung. Auf Landesebene, städtische und ländliche Bevölkerung zusammengenommen, beträgt die Prävalenz zwischen 10% und 11%.

Dazu kommen die unerkannten Diabetesfälle, die der International Diabetes Federation (IDF) zufolge bei 40 Millionen liegen könnten.

Die Prädiabetesrate kommt dabei auch nicht zur Ruhe. Einer von sechs Indern ist von dieser Übergangsphase zwischen einem normalen Blutzucker und Diabetes Typ 2 betroffen, was eine Zunahme der Diebetesfälle in den kommenden Jahren absehbar macht.

Die International Diabetes Feeration geht davon aus, dass es in Indien im Jahr 2030 92 Millionen und im Jahr 2045 124 Millionen Diabetiker geben wird.

Angesichts des Ausmaßes des Phänomens und des drastischen Anstiegs der Diabetes- und Prädiabetesfälle hat Indien mehrere Maßnahmen ergriffen, um die Zunahme der Fälle einzudämmen und den Gesundheitszustand der Patienten zu verbessern. Prävention, Sensibilisierung für die Risiken, Behandlung und Überwachung der Komplikationen gehören zu den Mitteln, mit dem Indien Diabetes zu bekämpfen versucht.

Die wichtigsten Ursachen für den Anstieg der Diabetesfälle in Indien

Heute weiß man, dass die Entwicklung von Diabetes mellitus bei einer Person von endogenen und exogenen Ursachen abhängt.

Die große Mehrzahl der Forscher sind sich darin einig, dass die Zunahme der Fälle von Diabetes Typ II mit dem tiefgreifenden Wandel des Konsumverhaltens der Inder verbunden ist.

So konnte in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine Zunahme des Urbanisierungsgrads beobachtet werden. Lebten vor 30 Jahren nur 10% der Inder in der Stadt, sind es heute fast 30%. Das Leben in der Stadt wiederum hat die Lebensgewohnheiten der Inder maßgeblich verändert. So haben zahlreiche Risikofaktoren für Diabetes Eingang in den Alltag der im urbanen Umfeld lebenden Inder gefunden: Bewegungsmangel, fehlende körperliche Betätigung, Übergewicht, Stress etc.

Auch ein Wandel der Ernährungsgewohnheiten kann als Ursache für den drastischen Anstieg der Diabetesfälle gelten. Beruhte die indische Ernährung früher in erster Linie auf Vollkorngetreide und Gemüse, so hat das städtische Leben zu einem höheren Konsum von kalorienreicherem raffiniertem Getreide beigetragen. Dazu kommen Tabak, Alkohol und andere stark verarbeitete Lebensmittel, die alle Risikofaktoren für Diabetes darstellen.

Die Diabetesprävalenz in Indien wird aber auch von einer gewissen genetischen Veranlagung der Inder asiatischer Herkunft begünstigt. Diese Bevölkerungsgruppe neigt dazu, eine Insulinresistenz zu entwickeln, die als Risikofaktor für Diabetes gilt.

Die Diabetesprävention: Ein Steckenpferd der indischen Regierung

Angesichts der Plage, zu der Diabetes in Indien geworden ist, hat die Regierung seit den 1980er Jahren eine Reihe an Maßnahmen ergriffen, um den Schaden zu begrenzen und die Bürger zu sensibilisieren.

Und das nicht ohne Grund: Mit nahezu 74 Millionen Diabetespatienten, Prädiabetes bei einem von sechs Indern und mehr als einer Million diabetesbedingter Todesfälle pro Jahr ist Diabetes ein erhebliches Problem für die öffentliche Gesundheit. In einem Land mit einer Bevölkerung von einer Milliarde Menschen stellt es allerdings in vieler Hinsicht eine Herausforderung dar, einer „neuen“ Krankheit den Kampf anzusagen.

Dazu kommen Probleme finanzieller Art: Nicht alle Inder haben Zugang zur medizinischen Versorgung und können die mit einer Diabetesbehandlung verbundenen Kosten stemmen. Daher ist vor allem die Prävention ein wichtiger Pfeiler der Strategie der Gesundheitsbehörden. 

Das nationale Programm zur Diabetesbekämpfung

Das 1987 ins Leben gerufene nationale Programm zur Bekämpfung von Diabetes (auf Englisch  „National Diabetes Control Programme“) war ein erstes Pilotprojekt, das vom indischen Bundesstaat zur Begrenzung und Eindämmung der Diabetesprävalenz entwickelt und eingeführt wurde.

Das Programm wurde zunächst in den Bezirken von Kaschmir, Tamil Nadu und Tarnataka eingeführt und verfolgte das Ziel, die Bevölkerung für die Krankheit zu sensibilisieren (Gesundheitserziehung), besonders gefährdete Personen zu identifizieren , die Mortalität der Risikopersonen zu senken und  Menschen mit diabetesbedingten Behinderungen zu rehabilitieren.

Allerdings wurde der Plan trotz seiner Qualitäten nicht auf weitere indische Staaten ausgeweitet, da dafür die Mittel fehlten. Erst zwischen 1995 und 1997 wurden neue Mittel für das Programm bereitgestellt.

Das nationale Programm zur Prävention und Kontrolle von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen

Trotz einer Zunahme der Diabetesfälle seit Ende der 1990er Jahre hat die indische Bundesregierung erst 2008 ein Programm zur Diabetesprävention unter der Ägide des Gesundheitsministeriums eingeführt. Dieser Gesundheitsschutzplan trägt den Namen „Nationales Programm zur Prävention und Kontrolle von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen“ (NPDCS).

Zu den Zielen dieses umfangreichen Programms gehört die Prävention und Kontrolle nicht übertragbarer Krankheiten, Gesundheitserziehung, die Früherkennung von Risikopersonen und die Betreuung von Menschen, die an verschiedenen Erkrankungen, darunter Diabetes, leiden.

Das Programm ist auf dem indischen Staatsgebiet bis heute in Kraft und ist das einzige Programm, das in allen Bundesstaaten zur Anwendung gekommen ist.

Die Grenzen der Gesundheitsprogramme des indischen Staates

Trotz des Willens, eine wirksame Diabetesprävention in Indien möglich zu machen, sind die staatlichen Programme an diverse Grenzen gestoßen.

Die erste ist finanzieller Natur. Auch wenn heute etwa 15% der Diabetesfälle weltweit auf Indien entfallen, machen die mit dieser Krankheit verbundenen Gesundheitsausgaben nicht einmal 6% des Staatshaushalts für das Gesundheitswesen aus. Indien stellt aktuell nicht genug Mittel für die Prävention und Gesundheitserziehung zur Verfügung, wie es die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt.  Daneben ist der Zugang zur medizinischen Versorgung je nach Region und sozialer Schicht sehr unterschiedlich.

Ein weiteres Hindernis, das die staatlichen Gesundheitsschutzprogramme erschwert, ist das föderale System des Landes, die eine einheitliche nationale Gesundheitspolitik vor Herausforderungen stellt.

Dazu kommt die Tatsache, dass die indische Regierung im Gegensatz zu anderen mit einem Anstieg der Diabetesfälle konfrontierten Ländern wie etwa Mexiko oder Brasilien immer noch nicht ihre Ernährungsempfehlungen angepasst hat (Reduktion des Glukose-, Ghee- und Butterkonsums sowie Steigerung des Obst- und Gemüseverzehrs etc.). Immerhin hat es gewisse Bemühungen gegeben, durch die Verbreitung von Videoclips jungen Indern eine gesunde Ernährungsweise näherzubringen.

Die NGOs: Wichtige Akteure der Diabetesprävention in Indien

Nichtregierungsorganisationen (NGOs) spielen in Indien sowohl bei der Prävention als auch bei der Behandlung von Diabetes eine wichtige Rolle. Manche Organisationen beteiligen sich aktiv an der Prävention und der Gesundheitserziehung in einzelnen Provinzen oder Bundesstaaten.

Manchmal handelt es sich sogar um die einzigen Ansprechpartner für die indischen Patienten. Die NGOs engagieren sich dabei in Form von Sensibilisierungskampagnen, mit denen sie die Inder auf die Bedeutung der Ernährung bei der Prävention von Diabetes und Prädiabetes aufmerksam machen.

Ein Beispiel: Im Jahr 2006 rief eine NGO eine SMS Kampagne ins Leben, um die Inder dazu anzuregen, mehr Obst und Gemüse zu essen. Nach Ende der Aktion hatten 40% der von der Kampagne erreichten Personen ihren Lebensstil verändert und gesündere Verhaltensweisen angenommen.

Die Kosten der Diabetesbehandlung in Indien: Ein Hindernis für viele Familien

Wenn der Schwerpunkt auf die Diabetesprävention und die Früherkennung von Diabetes gesetzt wird, so hat dies vor allem damit zu tun, dass die Behandlung einer bereits bestehenden Diabeteskerkrankung für viele indische Familien unbezahlbar ist.

Das durchschnittliche Einkommen in Indien liegt heute bei 170 Euro im Monat, die Kosten für eine Diabetesbehandlung können bei 20 bis 40 Euro im Monat liegen.

Die Diabetesprävention ist daher der beste Weg, um durch die Krankheit drohenden Schäden zu begrenzen.

Quellen:

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16391903/

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3821052/

https://bmcpublichealth.biomedcentral.com/track/pdf/10.1186/s12889-017-4986-0.pdf

https://destinationsante.com/inde-sms-prevenir-diabete.html

https://www.worlddiabetesfoundation.org/projects/india-wdf15-1288

https://www.kokilabenhospital.com/blog/india-the-diabetes-capital/

https://www.nature.com/articles/s41598-021-99784-x

https://journals.lww.com/ijmr/Fulltext/2018/48060/How_should_one_tackle_prediabetes_in_India_.2.aspx

https://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1002575

https://en.wikipedia.org/wiki/Diabetes_in_India

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3395295/

https://diabetesatlas.org/data/en/country/93/in.html

https://journals.lww.com/ijo/Fulltext/2021/11000/Epidemiology_of_type_2_diabetes_in_India.6.aspx

https://www.japi.org/v2b4d464/why-are-indians-more-prone-to-diabetes

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